Heißes Blech – heiße Stadt

Wie parkende Autos unsere Städte zusätzlich aufheizen.

In der zweiten Junihälfte hatte die erste Hitzewelle des Jahres Europa fest im Griff. Für die kommende zweite Juliwoche sind erneut extrem hohe Temperaturen vorhergesagt. Lang anhaltende Extremhitze und täglich neue Temperaturrekorde belasten die Gesellschaft. 5.000 Hitzetote, sinkende Produktivität und schmelzende Infrastruktur.

Große Städte leiden noch mehr unter der Hitze. Dort wirkt der sogenannte Hitzinseleffekt. Durch die dichte Bebauung und Versiegelung heizen sich Städte tagsüber besonders stark auf und können Nachts nicht genügend abkühlen. In München ist es laut Klimaexpertin Silvia Gonzalez innerhalb des Mittleren Rings deutlich heißer als außerhalb.

Ein Faktor für den Hitzeinseleffekt, der bisher noch wenig gesehen und erforscht ist, sind parkende Autos auf öffentlichen Flächen.

Laut einer Studie der Universität Lissabon aus dem Jahr 2025 verändern geparkte Autos die Wärme- und Strahlungseigenschaften von Straßenoberflächen und verstärken lokale Hitzeinseln. Nach über fünf Stunden in der Sonne kann die Luft knapp über dem Dach eines dunklen Autos um bis zu 3,8 Grad wärmer sein als die bereits aufgeheizte Luft daneben. Vor allem dunkle Fahrzeuge können die Hitzebelastung für Fußgänger in dicht bebauten Städten spürbar erhöhen. Bereits 2022 kam eine mexikanische Studie zu ähnlichen Schlüssen. Zehn geparkte Autos können die Umgebungstemperatur in einer Straße zwischen 0,5 und 1,5 Grad erhöhen. Die Studien kommen beide zum Schluss, dass parkende Autos ein bislang unterschätzter Faktor für urbane Hitze sind.

Der Bodengeograf Julian Zemke sagt im SWR-Interview: „Autos fungieren tagsüber als Wärmespeicher, die Nachts, wenn es eigentlich abkühlt, ihre Wärme wieder in die Umgebung abgeben.“

Die folgende Grafik veranschaulicht den Hitzeeffekt anhand der gemessenen Oberflächentemperatur, die bei direkter Hitzeeinstrahlung noch deutlich höher als die umgebende Lufttemperatur ist.

Die Hitzebelastung in Städten ist auch eine soziale Frage. Eine Studie der TU Berlin in Nature Cities zeigt für vierzehn europäische Großstädte, dass einkommensschwache Menschen, Mieter und Menschen mit Migrationsgeschichte systematisch weniger Zugang zu kühlenden Grünflächen haben. In London ertragen einkommensschwache Gruppen bis zu 4 Grad mehr Hitze als wohlhabendere Nachbarn.

Gleichzeitig haben einkommenschwächere Haushalte oft gar kein Auto. In München besitzen die Hälfte der armen Haushalte keinen PKW.

Der ruhende Verkehr ist nur eine von vielen Stellschrauben, mit der die Stadt sich dem verändernden Klima anpassen und auf kommende Hitzewellen vorbereiten kann. Aber eine recht einfache Stellschraube. Man kann Autos einfach in die Tiefgarage fahren und dort parken.

Der große Vorteil ist natürlich, dass Autos bewegliche Objekte sind. Das heißt hier kann ich mit wenig Aufwand im Grunde Hitzespeicher aus der Stadt entfernen beziehungsweise so positionieren, dass sie sich erst gar nicht aufheizen.

(Julian Zemke, Boden-Geograf Universität Koblenz im SWR Interview)

Alleine in den Parklizenzgebieten der Stadt München gibt es knapp 94.000 Parkplätze im öffentlichen Raum. Das sind 1.128.000 Quadratmeter Fläche auf denen 94.000 kleine Heizungen stehen, die sowieso schon tropische Hitzenächte noch heisser machen.

Wieviel private Tiefgaragen es in München gibt, ist nicht bekannt. Wir setzen uns für die konsequente Erschließung des privaten Parkraums ein und arbeiten mit unserer Karte daran den Bestand zu erfassen. Denn jeder PKW, der nicht mehr am öffentlichen Straßenrand, sondern in einer Tiefgarage steht, ist eine kleine Mini-Heizung weniger und macht gleichzeitig Platz für mehr Bäume und Verschattungsmöglichkeiten.

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