Unsere Daten (1) – Die Karte
Öffentlich zugängliche Daten sind eine der Hauptsäulen unserer Initiative Parkraumwende. In einer mehrteiligen Blogreihe stellen wir euch unseren Datenbereich vor. Los geht es mit unserem Kernstück: Die Karte.
Wer in München sein Auto parken will, hat zwei Möglichkeiten: ein öffentlicher Parkplatz am Straßenrand oder ein privater Parkplatz, meistens in einer Tiefgarage oder einem Parkhaus.
Über den öffentlichen Parkraum Münchens wissen wir relativ viel. Zumindest in den Parklizenzgebieten kennen wir die genaue Anzahl und Lage der Parkplätze. Wir wissen, wo man mit Anwohnerparkausweis, Parkschein oder Parkscheibe parken kann. Wir wissen auch, dass dieser Raum überbucht ist, also mehr Menschen einen Anwohnerparkausweis besitzen, als es Parkplätze gibt.
Der öffentliche Parkraum ist täglich in unserem Blickfeld. Als Autofahrer auf der Suche nach einer freien Lücke erleben wir den Parkdruck, als Anwohner den Parksuchverkehr und als Fußgänger erleben wir nicht-regelkonform parkende PKW, die Kreuzungen gefährlich unübersichtlich machen oder Feuerwehreinfahrten blockieren.
Was wir nicht sehen und über was wir nur sehr wenig wissen, liegt meistens unter der Erde. Es gibt keine Übersicht über den privaten Parkraum in München. Und noch weniger ist über die Auslastung von privaten Tiefgaragen und Parkhäusern bekannt.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung private Stellplätze zu melden oder für deren effektive Auslastung zu sorgen. Private Stellplätze sind im Besitz unterschiedlichster Akteure mit unterschiedlichsten Interessen.
Privater Parkraum ist aber eine große Entlastungsmöglichkeit für den jetzt schon unter starkem Druck stehenden öffentlichen Raum. Ein Überblick über diesen privaten Raum und seine Potentiale ist für eine zielführende und faktenbasierte Diskussion um den öffentlichen Raum dringend nötig.
Wir wollen diesen unsichtbaren Raum mit unserer Karte sichtbar machen.
Seit Frühjahr 2025 sammeln wir aus unterschiedlichen Quellen private Parkräume auf einer Karte. Angefangen hat es mit 66 Einträgen aus einer Open-Data-Liste der LHM. Seitdem ist unsere Karte beständig gewachsen.
Wo kommen die Daten her?
- Öffentlich zugängliche Daten der Verwaltung
Momentan gibt es vor allem eine offizielle Liste im Open Data Portal der LHM. - Eigenrecherche
Kommerzielle Parkraumanbieter, Hausverwaltungen, Einkaufszentren oder Behörden informieren auf ihren eigenen Webseiten über Parkplätze, die sie im Bestand haben. - Online-Inserate
Eine sehr große Quelle für private Parkplätze sind Online-Anzeigen-Portale. Vor allem bei Immobilienscout findet man z.B. für München zahlreiche Einträge für Stellplätze. - Crowdsourcing
Jeder kann mitmachen und auf unserer Karte neue Parkflächen eintragen. Wir prüfen jeden Eintrag mithilfe unterschiedlicher Karten auf Plausibilität.
Für wen ist die Karte?
Servicekarte für Autobesitzer
Wer einen privaten Stellplatz sucht, kann auf der Karte nach Tiefgaragen filtern in denen Dauerparken möglich ist. Bei den meisten Einträgen gibt es weiterführende Links zu den jeweiligen Anbietern.
Entscheidungshilfe für die Kommunalpolitik
Auf der Karte machen wir das bestehende Potential an privatem Parkraum in den Quartieren sichtbar. Das kann als Argumentationshilfe für politische Entscheidungen, die den öffentlichen Raum neu ordnen, dienen.
Datengrundlage für die Verwaltung
Im Zuge der vom Münchner Stadtrat beschlossenen Teilstrategie „Management des öffentlichen (Straßen-)Raums“ sollen Überlegungen entwickelt werden „wie bei beschränktem Angebot im öffentlichen Raum Anwohner*innen Stellplätze auf privaten Flächen, in Garagen oder Tiefgaragen der öffentlichen Hand finden können.„
Speziell bei Tiefgaragen von Behörden und Verwaltung sehen wir auch ein großes ungenutztes Potential, dass bisher auf keiner Karte erfasst ist.
Die Basis unserer Karte ist eine Open Data Liste der LHM, die wir anreichern. Wir stellen diese neuen Daten wieder öffentlich zur Verfügung. Sie können und sollen gerne auch von der LHM wiederverwendet werden.
Datengrundlage für kommerzielle Anbieter
Einige Einträge auf der Karte stammen von den Webseiten kommerzieller Dienstleister, die Parkraumbewirtschaftung ermöglichen, wie z.B. Ampido oder Wemolo. Unsere eigenen Daten stehen wiederum unter einer entsprechenden Lizenz, die auch eine kommerzielle Nutzung ermöglicht.
Wie geht es weiter und wie könnt ihr die Karte unterstützen?
Wir wollen die Karte stetig ausbauen und sind auf der Suche nach Datenpunkten und neuen Quellen.
Die großen Hebel
Die Auswertung der bisherigen Daten zeigt, dass ein Großteil der Einträge Wohngebäude sind. Das überrascht nicht, da seit den 1970er Jahren bei jedem Neubau der Stellplatzschlüssel greift. D.h. für jede Wohnung muss ein Stellplatz errichtet werden, meistens sind das dann Tiefgaragen. Gleichzeitig wissen wir über diese Stellflächen sehr wenig. Wir sehen zwei große Hebel um dort großflächiger Daten zu erheben.
- Anzeigen bei Immobilienscout24
Auf dem Portal erscheinen wöchentlich bis zu 50 neue Anzeigen für Tiefgaragenstellplätze. Jede einzelne Anzeige ist ein weiterer Datenpunkt, der eine Tiefgarage unter einem Wohnhaus markiert. Wir wollen diese Anzeigen gerne kontinuierlich erfassen und benötigen dafür einen offiziellen API-Zugang. Leider ist der Zugang zur API als gemeinnützige, nicht-kommerzielle Initiative nicht so einfach, weil wir nicht zum üblichen Nutzerkreis zählen und auf dem offiziellen Antragsweg aussortiert werden. Wenn jemand einen direkten Kontakt zu Immobilienscout hat, dem wir unser Anliegen persönlich schildern können, freuen wir uns über eine Rückmeldung an: kontakt@parkraumwende.de. - Die Bauakten der Landeshauptstadt München
Für jedes Gebäude gibt es umfangreiche Bauanträge und Genehmigungen in denen Informationen zu Baujahr, Anzahl der Wohnungen und Stellplatzschlüssel enthalten sind. Diese Daten liegen in einer stadtweiten Gesamtheit nicht digital vor.
Die mittelgroßen Hebel
Supermärkte, Krankenhäuser, Behörden oder größere Hausverwaltungen haben meistens umfangreiches Datenmaterial über ihre privaten Parkräume. Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren unter: kontakt@parkraumwende.de
Die Weissheit der Vielen
Gleichzeitig bietet die Schwarmintelligenz weiteres großes Potential. 25% der bisherigen Einträge stammen von einzelnen BürgerInnen, die gerne beim Spaziergehen Tiefgarageneinfahrten erfassen. Die Karte ist für die mobile Nutzung optimiert. neue Einträge können einfach eingetragen und bestehende Einträge können ergänzt oder korrigiert werden.
Auf der Karte gibt es viele Einträge mit einem „?„. Dort wissen wir, dass es eine Tiefgarage gibt, aber nicht, wieviel Stellplätze es dort gibt. Mit einem entsprechenden Filter können nur diese Einträge eingeblendet und dann über den Button „Korrektur vorschlagen“ ergänzt werden. Macht mit!
